Zahlreiche Kinder sind in logopädischer Behandlung. Heute werden viele Auffälligkeiten schon früh festgestellt. Foto: Ramona Finger > Artikel
Frühzeitige Erkennung von sprachlichen Auffälligkeiten bei Kindern
In der heutigen Zeit befindet sich eine spürbare Anzahl von Kindern in logopädischer Behandlung, was vor allem auf eine veränderte Wahrnehmung zurückzuführen ist. In der Praxis der Logopädin Ramona Finger wird deutlich, dass Sprache heutzutage wesentlich früher und mit einer höheren Genauigkeit beobachtet wird als noch vor einigen Jahren. Diese Entwicklung ist positiv zu bewerten, da insbesondere Erzieherinnen mittlerweile sprachlich hervorragend geschult sind und Auffälligkeiten rechtzeitig bemerken. Auch bei den medizinischen Vorsorgeuntersuchungen wird routinemäßig der aktuelle Sprachstand von Kleinkindern hinterfragt. Eine frühzeitige Intervention, bei der oft schon wenige gezielte Therapieeinheiten ausreichen, kann für die weitere Entwicklung der Kinder von unschätzbarem Wert sein. Die Ursachen für den erhöhten Förderbedarf liegen häufig auch in gesellschaftlichen Veränderungen. Familien stehen unter großem Zeitdruck, der Alltag ist dicht durchgetaktet, und auch Medienkonsum sowie Bewegungsmangel nehmen Einfluss. Dennoch leisten Eltern, Kitas und Schulen in einem Umfeld mit enorm gestiegenen Anforderungen täglich ihr Bestes.
Das breite Spektrum der Diagnosen in der Praxis Logolibell
Die gebürtige Gütersloherin Ramona Finger, die in Delbrück aufwuchs und dort seit vielen Jahren selbständig ist, leitet an der Graf-Sporck-Straße die Praxis Logolibell. Was einst als Einpersonenbetrieb begann, ist mittlerweile zu einem Team aus zehn qualifizierten Logopädiinnen herangewachsen, in dem die vertrauensvolle Zusammenarbeit im Mittelpunkt steht. Zu den häufigsten Diagnosen bei Kindern zählen phonetisch-phonologische Störungen, bei denen bestimmte Laute falsch ersetzt werden, wie etwa ein T anstelle eines K. Ebenso nehmen myofunktionelle Störungen zu, die sich in einem Lispeln oder in muskulären Schwächen im Mund- und Gesichtsbereich zeigen. Viele dieser Kinder atmen vorwiegend durch den Mund und weisen ein falsches Schluckmuster auf, was oft zu einer hohen Infektanfälligkeit führt und eine enge Zusammenarbeit mit Zahnärzten erfordert. Ein weiteres großes Feld sind auditive Störungen, bei denen Kinder trotz normalen Hörvermögens Schwierigkeiten haben, wichtige Sprachsignale aus einer lauten Geräuschkulisse herauszufiltern.
Säuglingstherapie und die wichtige Arbeit mit Erwachsenen
Die logopädische Arbeit reicht jedoch weit über das Kindesalter hinaus und beginnt in Einzelfällen bereits im Säuglingsalter. Zu den jüngsten Patienten gehören Frühgeborene oder Kinder mit schweren Erkrankungen, die künstlich ernährt werden mussten. In emotionalen Therapien erlernen diese Babys gemeinsam mit ihren Eltern und Ärzten schrittweise das Essen und Trinken. Ein ebenso bedeutender Schwerpunkt der Praxis liegt auf der Behandlung von Erwachsenen. Nach Schlaganfällen oder Unfällen unterstützen die Therapeutinnen die Betroffenen dabei, die Wortfindung und das Sprechen neu zu erlernen. Bei fortschreitenden neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson steht der Erhalt der Lebensqualität im Vordergrund. Da Sprechen, Atmung und Schlucken untrennbar miteinander verbunden sind, ist die Logopädie auch in Pflegeheimen unverzichtbar. Dort wird besonders bei Demenzerkrankungen geholfen, die Kommunikation aufrechtzuerhalten und Gefahren beim Schlucken zu minimieren. Ein langjähriger Begleiter in den Therapien war zudem der Hund Paul, der durch seine beruhigende Gegenwart vielen Kindern den Einstieg erleichterte, jedoch kürzlich verstarb. Unvergessen bleibt für die Logopädin der Moment, als ein schwer erkranktes Kind dank der Therapie die Ernährungssonde ablegen und schließlich erste eigene Worte sprechen konnte.
„Quelle Westfalenblatt, Text KI“