Die Anfänge und die historische Entwicklung
Die Laienspielschar aus Westenholz blickt in diesen Tagen stolz auf eine ein halbes Jahrhundert andauernde Vereinsgeschichte zurück. Die Geburtsstunde schlug im Jahr 1976, als sich die Theatergruppe als ein kleiner Ableger der örtlichen Kolpingsfamilie formierte. Ulrich Bolte, einer der Männer der ersten Stunde, erinnert sich lebhaft an die damaligen Bedingungen, die sich gravierend von den heutigen Standards unterschieden. In der Anfangszeit existierte keinerlei professionelle Kulisse, das Ensemble musste mit einer nackten Bühne und einfachen Vorhängen vorliebnehmen. Auch die Werbung für die anstehenden Termine gestaltete sich weitaus mühsamer als in der heutigen Ära des Internets, damals verteilten die engagierten Mitglieder noch eigenhändig gedruckte Handzettel, die sie unter die Scheibenwischer parkender Autos klemmten. Zudem hat die Leidenschaft für die darstellende Kunst in der Region eine noch tiefere Historie, wie Stefan Stallein betont, denn bereits in den späten 1920er Jahren und somit seit fast einem Jahrhundert wird in Westenholz Theater gespielt.
Wechsel der Regie und Ausbau der Kulissen
Ein bedeutender Einschnitt in der Vereinschronik war die Suche nach einer neuen künstlerischen Leitung, nachdem der langjährige Regisseur Hans Freise, welcher im Hauptberuf fast drei Jahrzehnte lang die örtliche Grundschule als Rektor leitete, sein Amt abgeben wollte. Im damaligen Hubertuskrug fand man schließlich in Martin Ramsel den passenden Nachfolger. Dem Engagement von Martin Ramsel ist es zu verdanken, dass die Gruppe wichtige Entwicklungsschritte vollzog, insbesondere der systematische Aufbau und die Konstruktion von professionellen Bühnenbildern wurden unter seiner Regie stark vorangetrieben. Auch der Ort des Geschehens wandelte sich im Lauf der Jahrzehnte, wurde in der Anfangsphase noch in einer rustikalen Scheune agiert, so dient heute der Saal des Gasthofes Lütkewitte als feste Spielstätte für die jährlichen Aufführungen im November.
Wachstum und generationsübergreifende Gemeinschaft
Aus der einstigen kleinen Interessengemeinschaft, die mit gerade einmal elf Personen startete, ist heute ein stolzer Verein mit 50 aktiven Mitgliedern herangewachsen, für jedes Jahr des Bestehens lässt sich somit symbolisch ein Mitglied zählen. Das Ensemble zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Altersmischung aus, die von jungen Erwachsenen im Alter von 20 Jahren bis hin zu erfahrenen Senioren von 80 Jahren reicht. Maria Brandtönies, die sich sowohl um die Regie als auch um die Pressearbeit kümmert und selbst seit fast fünf Jahrzehnten aktiv ist, berichtet, dass mittlerweile auch viele Ehepartner Teil der Gemeinschaft geworden sind. Diese personelle Stärke erlaubt es heute, die diversen Rollen auf der Bühne vollkommen altersgerecht zu besetzen, was in den Anfangsjahren aufgrund des akuten Personalmangels unmöglich war. In ihrer Historie blickt die Truppe auf stolze 220 Vorstellungen von insgesamt 44 verschiedenen Stücken zurück.
Der Antrieb hinter dem Humor auf der Bühne
Der Fokus der Darsteller liegt ganz bewusst auf humorvollen Stücken, Komödien und ausgelassenem Klamauk. Nach den Worten von Maria Brandtönies ist der größte Antrieb für die Akteure das direkte Feedback des Publikums, wenn man in die fröhlichen Gesichter der Zuschauer blickt und die pure Freude spürt. Die Aufführungen finden bewusst im meist grauen und tristen Monat November statt, um den Menschen ein wenig emotionale Wärme und Sonnenschein in die kalte Jahreszeit zu bringen. Ulrich Bolte ergänzt, dass es ein wunderbares Gefühl sei, das Publikum für einige Stunden aus dem oft ernsten Alltag in eine völlig andere Welt entführen zu dürfen.
Spontanität und die Abwesenheit von Fehlern
Trotz aller intensiven Probenarbeit entsteht die größte Komik manchmal völlig ungeplant durch spontane Situationen auf der Bühne, wenn eine Szene anders verläuft als vorher einstudiert. Stefan Stallein stellt jedoch schmunzelnd klar, dass man noch niemals eine Aufführung komplett verdorben habe. Wenn ein Schauspieler einmal seinen Text vergisst, wird kurzerhand improvisiert, was den Zuschauern meistens überhaupt nicht auffällt. Das Publikum nimmt solche kleinen Pannen ohnehin mit viel Humor auf, und getreu dem Motto von Ulrich Bolte ist jede Aufführung das gelungene Resultat einer geschlossenen Mannschaftsleistung der gesamten Spielschar.
Soziales Engagement und ein rauschendes Jubiläumsfest
Die Arbeit der Laienspielschar dient nicht nur der reinen Unterhaltung, sondern verfolgt auch einen wohltätigen Zweck. Die Erlöse aus den Eintrittsgeldern werden regelmäßig an soziale Institutionen und Vereine in Westenholz und den umliegenden Gemeinden gespendet, was für alle Beteiligten eine echte Herzensangelegenheit darstellt. Das goldene Vereinsjubiläum wurde gebührend mit einem großen Fest auf dem Hof Berkemeier gefeiert, zu dem rund 300 geladene Gäste, darunter Bürgermeister Johannes Lindhauer sowie befreundete Theatergruppen aus Boke, Anreppen und sogar aus Siegen, erschienen. Im Rahmen dieses Festes wurden erneut großzügige Spenden an das Altenheim Haus voller Leben, den örtlichen Musikverein, den Volkstanzkreis sowie an die Inklusionsgruppe übergeben. Neben einem unterhaltsamen Programm mit Karaoke präsentierte Maria Brandtönies eine umfangreiche historische Bildershow, zudem wurden die Gründungsmitglieder mit einer Urkunde und einer besonderen Ehrennadel ausgezeichnet. In der kommenden Spielzeit wartet mit der bekannten Posse Pension Schöller eine große logistische Herausforderung auf das Ensemble, da das Stück drei verschiedene Bühnenbilder erfordert, die in den Pausen umgebaut werden müssen.
„Quelle Westfalenblatt, Text KI“