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Lokalimpuls: Ein Delbrücker Herzensprojekt

Lokalimpuls: Ein Delbrücker Herzensprojekt

Auf dem Weg zum wöchentlichen Café mit frisch gebackenen Leckereien ist Hilla Liekmeier rechts in Begleitung ihrer permanenten Assistenz Katharina Swoboda zu sehen, aufgenommen von Marion Dubbi.

Ein Delbrücker Herzensprojekt über ein besonderes Begegnungscafé am Kirchplatz

Ein Ort der Lebensfreude und der Gemeinschaft Seit fast vier Jahren widmet sich die engagierte Delbrückerin Hilla Liekmeier der Aufgabe, ihren Mitmenschen glückliche Momente zu schenken. Mit bemerkenswertem Einsatz und großer Herzlichkeit lädt sie jeden Donnerstag zu Kaffee und Kuchen in die Räumlichkeiten am Kirchplatz ein. Weder die Organisation noch die tatkräftige Umsetzung lassen sich von ihren eigenen körperlichen Einschränkungen ausbremsen. Bereits kurz nach 13 Uhr beginnt das eingespielte Team des wöchentlichen Cafés, den Elisabethsaal des Johanneshauses liebevoll für die Besucher herzurichten. Sitzgruppen werden arrangiert und Tischdecken sorgfältig gebügelt, denn die Atmosphäre soll für alle Gäste einladend und ästhetisch sein.

Herzliche Worte für jeden Besucher Mitten im Geschehen befindet sich die 70 Jahre alte Hilla Liekmeier in ihrem elektrischen Rollstuhl. Sie behält stets den Überblick und weiß genau, wo jedes Utensil zu finden ist. Sie betont strahlend, dass sie hier vollkommen in ihrem Element ist und bezeichnet das Projekt liebevoll als ihr eigenes Baby. Sobald die ersten Gäste eintreffen, wird diese tiefe Leidenschaft spürbar, da jeder Ankömmling von ihr persönlich willkommen geheißen wird. Für jeden Menschen findet sie ein paar aufmunternde Worte oder einen humorvollen Spruch. Dass sie bereits seit den frühen Morgenstunden in der Küche aktiv war, um vier Torten für den Nachmittag vorzubereiten, sieht man ihr keineswegs an. Sie verströmt eine enorme Energie, die sowohl von den Gästen als auch von den ehrenamtlichen Helfern im Team sehr geschätzt wird. Eine 79-jährige Besucherin namens Elisabeth Schmitz beschreibt sie als einen großartigen Menschen, auf den man sich jede Woche aufs Neue freut. Seit mehreren Jahren kommt sie regelmäßig hierher, um die Geselligkeit zu erleben. Zu den treuen Stammgästen gehört auch Marita Schlink, die jeden Donnerstag aus Mantinghausen die zehn Kilometer lange Strecke mit dem Fahrrad in die Delbrücker Innenstadt zurücklegt. Als Begrüßung überreicht sie der Initiatorin stets ein Pfund Kaffee.

Zur Begrüßung ein Pfund Kaffee Die Radfahrerin erklärt, dass die Treffen immer wunderschön sind und sie sich deshalb gerne mit einer Spende beteiligt. Genau so ist das von Hilla Liekmeier erdachte Konzept angelegt. Wenn alle Anwesenden eine kleine Unterstützung hinterlassen, seien die Kosten für Kaffee, Kuchen oder Finanzen gedeckt. Über die Jahre hat sich zwischen den beiden Frauen eine tiefe Freundschaft entwickelt. Die Besucherin fügt wehmütig hinzu, dass die Initiatorin sie an ihren verstorbenen Ehemann erinnert, der an derselben Krankheit litt. Trotz der Umstände bleibt sie fröhlich und sorgt dafür, dass niemand allein am Tisch sitzen muss.

Über ihre eigene schwere Erkrankung möchte Hilla Liekmeier allerdings ungerne sprechen. Sie bezeichnet sich selbst als Optimistin und lacht darüber, dass Jammern die Situation auch nicht verbessere. Das Schicksal traf die gebürtige Westenholzerin schwer, als Mediziner vor ihrem 50. Lebensjahr eine unheilbare Erkrankung der Muskeln feststellten. Die Krankheit brach ein Jahr später aus und führt dazu, dass sie seit 2017 dauerhaft auf einen Rollstuhl sowie ein Sauerstoffgerät angewiesen ist. Auch Herzinfarkte und diverse Begleiterscheinungen erschweren ihren Alltag erheblich, doch Aufgeben kommt für sie nicht infrage.

Kurzzeitig in ein Loch gefallen Sie räumt jedoch ein, dass sie vor neun Jahren nach der Nachricht, dass nur noch ein Lungenflügel funktioniere, vorübergehend den Mut verlor. Diese Phase der Zurückgezogenheit dauerte glücklicherweise nicht lange an und wandelte sich schnell in neue Willenskraft um. Sie sagte sich selbst, dass bloßes Rumsitzen unklug sei, da es anderen Menschen schließlich ähnlich ergehe. Seither kanalisiert sie ihre gesamte Kraft in ehrenamtliche Tätigkeiten. Zeitweise engagierte sie sich parallel im städtischen Seniorenbeirat, im Arbeitskreis für Familienfragen, in der Unterstützung für Menschen mit Muskelerkrankungen sowie in fünf weiteren Ehrenämtern. Als frühere Wirtin und Taxifahrerin war sie den ständigen Umgang mit Menschen gewohnt. Bei all diesen Herausforderungen steht ihr Ehemann Hubert seit über fünf Jahrzehnten treu zur Seite und betont, wie gut ihr diese Aufgaben tun.

Auch der Ehemann hat erkannt, wie erfüllend es ist, anderen eine Freude zu bereiten. Er scherzt jedoch, dass die Ideen stets von seiner Frau stammen und das Team nur für die Ausführung zuständig ist. In der Küche sind Volker Neuenfels und Yvonne Pfister eifrig damit beschäftigt, die Torten aufzuteilen. Beide bringen sich seit langer Zeit mit großer Freude in das Projekt ein, obwohl einer der Helfer scherzhaft anmerkt, selbst gar kein Kuchenesser zu sein. Der ausgeprägte Humor im Team sorgt dafür, dass sich die Besucher rundum wohlfühlen.

Eigenheim behindertengerecht umgebaut Sollte die Spendendose nach dem Aufräumen einmal nicht ausreichen, um den Einkauf für die Folgewoche zu finanzieren, findet sich immer ein Ausweg. In solchen Fällen spendet das Team die Zutaten einfach selbst. Für dieses Herzensprojekt gibt die Initiatorin alles. Im privaten Alltag benötigt sie eine kontinuierliche Betreuung. Ihr Mann leistet enorme Arbeit, doch professionelle Unterstützung bleibt unverzichtbar. Die Vorstellung, dass diese Hilfe durch politische Reformen gekürzt werden könnte, bereitet ihr Sorgen. Ihr Wohnhaus hat das Paar bereits vor Jahren barrierefrei umgestalten lassen.

Die Organisatorin wundert sich rückblickend selbst, wie sie den Umbau finanziell bewältigen konnten, aber sie haben es geschafft. Ihr Lebensmotto bleibt es, stets das Positive zu suchen. Sie hat noch viele Pläne für die Zukunft des Cafés, möchte konkrete Details aber noch nicht preisgeben. Dass sogar das Fernsehen Interesse zeigt und ein Kamerateam ankündigt, erfüllt sie mit ein wenig Stolz. Bescheiden fügt sie hinzu, dass ihre wöchentliche Arbeit im Grunde ganz simpel sei. Wer allerdings Woche für Woche rund 30 Menschen einen derart liebevollen Nachmittag bereitet, leistet weit mehr als nur eine einfache Aufgabe.

Quelle Westfalenblatt, Text KI