Der Seniorenbeirat präsentiert stolz das neue digitale Hilfsportal, welches als intergeneratives Netzwerk die Nachbarschaftshilfe im gesamten Delbrücker Stadtgebiet revolutionieren soll.
Die Entstehung einer generationsübergreifenden Initiative in Krisenzeiten Die hiesige Vertretung der älteren Generation in Delbrück hat ein zukunftsweisendes Onlineportal ins Leben gerufen, welches als zentrale Plattform für die Vermittlung von gegenseitiger Unterstützung im gesamten Stadtgebiet fungiert. Ob es sich um die Pflege des Gartens, das Reparieren eines Zweirads, schulische Unterstützung oder die Begleitung beim regelmäßigen Einkauf handelt, all diese klassischen Alltagshilfen werden dort koordiniert. Dieses digitale Angebot stellt jedoch lediglich das Fundament für ein weitaus umfassenderes Vorhaben dar, welches das Miteinander der verschiedenen Altersgruppen nachhaltig stärken soll. Das Jahr zwanzigzwanzig brachte durch den weltweiten Ausbruch einer schweren Pandemie massive Einschnitte mit sich, die tiefe Spuren im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben hinterließen. Während die großen Probleme in Politik und Wirtschaft täglich die Medien beherrschten, blieben die alltäglichen Sorgen jener Menschen, die für die Organisation ihres Lebens dringend auf Mitmenschen angewiesen sind, oft im Verborgenen.
Die Bedeutung funktionierender Gemeinschaften und dörflicher Strukturen In ländlich geprägten Regionen existieren meist hervorragende Voraussetzungen für den Zusammenhalt, da sich die Bewohner untereinander kennen und einander vertrauen. Mit zunehmender Anonymisierung der modernen Gesellschaft wird der Aufbau solcher verlässlichen Netzwerke jedoch immer schwieriger. Obwohl die modernen Kommunikationsmedien theoretisch Hilfestellung bieten können, bergen sie auch diverse Nachteile. Erschwerend kam hinzu, dass durch die behördlichen Auflagen zum Infektionsschutz viele wichtige Präsenzprojekte nicht realisiert werden konnten. Aus diesem Grund musste auch die geplante Einführung eines physischen Treffpunkts der Generationen vorerst verschoben werden. Als Reaktion darauf wurde die bereits bestehende Plattform für Jugendliche erweitert und mit Unterstützung der Stadtverwaltung zu einem regionalen Hilfsnetzwerk für die gesamte Bevölkerung ausgebaut.
Demografischer Wandel als Motivation für bürgerschaftliches Engagement Die allgemeine Diskussion über sinkende Geburtenraten und eine alternde Gesellschaft verdeutlicht, dass sich die sozialen Sicherungssysteme in den kommenden Jahren drastisch verändern werden. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter nimmt kontinuierlich ab, während die Gruppe der Senioren wächst, was spürbare Konsequenzen für die Gestaltung des lokalen Lebensraums hat. Angesichts dieser Herausforderungen stellt sich die fundamentale Frage, wie eine Kommune ihre eigenen Stärken aktivieren kann und wie die Bürger ihre individuellen Fähigkeiten einbringen können. Es gilt, das Leben in den einzelnen Quartieren attraktiv zu gestalten, die Grundversorgung dauerhaft zu sichern und Helfer sowie Suchende erfolgreich zusammenzubringen. Dabei stehen das Wohlbefinden und die Würde jedes Einzelnen absolut im Mittelpunkt, vollkommen unabhängig vom jeweiligen sozialen Status.
Ein Marktplatz als lebendige Servicebrücke zwischen Jung und Alt Das Gremium der Senioren möchte genau dort ansetzen, wo familiäre Netze Lücken aufweisen, die von den Betroffenen nicht mehr aus eigener Kraft geschlossen werden können. Für den langfristigen Erfolg sind gegenseitiges Interesse und Vertrauen unabdingbar, um die soziale Verantwortung im Dorf als festes Prinzip zu etablieren. Auf dem geplanten Marktplatz werden Bürger aller Altersklassen eingeladen, sich bei Kaffee und Kuchen persönlich kennenzulernen und über vorbereitete Pinnwände Angebote auszutauschen. Dieser direkte, persönliche Kontakt bildet das ideale Fundament für die anschließende Registrierung im digitalen Netzwerk. Die Initiative versteht sich als Vermittlungsbrücke, die Jugendliche für haushaltsnahe Dienstleistungen gegen ein kleines Taschengeld mit älteren oder in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen zusammenbringt, wodurch wertvolle intergenerative Begegnungen gefördert werden. Dieses erfolgreiche Konzept hat inzwischen auch das Interesse weiterer Kommunen in Nordrhein Westfalen geweckt, die das System nun für ihre eigene soziale Arbeit nutzen.
„Quelle Boke-Mein Dorf-Ausgabe 8-2020“