Mit ungebremster Energie seit vier Jahrzehnten im Einsatz für die Kleinsten
So ist Sabine Reußner in ihrem Element: Mittendrin fühlt sie sich seit 40 Jahren am wohlsten. Mit dabei zwischen zahlreichen Kapla-Steinen spielt sie mit (von links) Mattes (5), Fine (4) und Lea (6). Foto: Kerstin Eigendorf Das unermüdliche Engagement einer leidenschaftlichen Erzieherin Die Arbeit mit Kindern erfordert ein hohes Maß an Kraft und Empathie. Sabine…
So ist Sabine Reußner in ihrem Element: Mittendrin fühlt sie sich seit 40 Jahren am wohlsten. Mit dabei zwischen zahlreichen Kapla-Steinen spielt sie mit (von links) Mattes (5), Fine (4) und Lea (6). Foto: Kerstin Eigendorf
Das unermüdliche Engagement einer leidenschaftlichen Erzieherin Die Arbeit mit Kindern erfordert ein hohes Maß an Kraft und Empathie. Sabine Reußner beweist nun schon seit mehr als vierzig Jahren, dass diese Eigenschaften auch nach vier Jahrzehnten im Beruf nicht nachlassen müssen. Wer sie in ihrer vertrauten Umgebung, der Kindertagesstätte im Delbrücker Ortsteil Anreppen, erlebt, bemerkt sofort ihre ansteckende Fröhlichkeit und ihren unbändigen Elan, der an die Anfänge ihrer Karriere in den achtziger Jahren erinnert. Sie ist eine Frau, die vor Tatendrang sprüht und fest in der Gemeinschaft verwurzelt ist. Ein Spaziergang über ein lokales Volksfest wie den Katharinenmarkt in Delbrück kann bei ihr viel Zeit in Anspruch nehmen, da sie über Generationen hinweg bekannt ist. Mittlerweile betreut sie bereits die Kinder von Eltern, die in ihrer eigenen Kindheit schon von ihr umsorgt wurden. Eine so lange Dienstzeit in diesem anspruchsvollen Berufsbild ist heute keineswegs mehr eine Selbstverständlichkeit.
Der mutige Karrierestart in jungen Jahren Beim Gedanken an ihren beruflichen Werdegang erinnert sich die heute einundsechzigjährige Fachkraft, die selbst aus dem Ortsteil Schöning stammt, gerne mit einem Lächeln zurück. Im Alter von zweiundzwanzig Jahren und nach einer zweijährigen Phase als Ergänzungskraft in Delbrück Boke befand sie sich in einem Gespräch mit Vertretern der Stadtverwaltung, um sich eigentlich für die Leitung einer einzelnen Gruppe zu bewerben. Damals erschien sie als junges Mädchen im Jeansrock und mit einer großen Portion Optimismus. Völlig unerwartet wurde sie gefragt, ob sie sich die Führung einer ganz neuen, eingruppigen Einrichtung in Anreppen zutrauen würde. Ohne lange zu zögern oder Angst vor der großen Verantwortung zu haben, stimmte sie der Herausforderung zu. Woher sie damals diesen enormen Mut nahm, kann sie sich heute selbst kaum noch erklären, aber die Freude über das entgegengebrachte Vertrauen überwog jegliche Zweifel.
Die persönliche Handschrift in der Dorfgemeinschaft In der Rückschau auf ihr gesamtes Berufsleben gibt sie offen zu, dass die Bewältigung des Alltags unter den heutigen Bedingungen eine ganz andere Herausforderung darstellen würde. Während ihrer Laufbahn zog sie selbst zwei Töchter groß und kehrte nach den Geburten jeweils nach nur anderthalb Jahren beziehungsweise nach nur drei Monaten wieder an ihren Arbeitsplatz zurück. Die städtische Kindertagesstätte in Anreppen gilt als ihr Lebenswerk, das ihre persönliche Handschrift trägt. Ihre Herzlichkeit zeigt sich in jeder Ecke des Gebäudes. In ihrer Freizeit engagiert sie sich weit über das normale Maß hinaus, indem sie Kostüme näht, kreative Spielzeuge aus Pappmaché bastelt und sogenannte Geschichten Säckchen für ihre Kolleginnen vorbereitet. Trotz ihrer enormen Präsenz drängt sie sich ungerne in den Vordergrund und betont stets bescheiden, dass sie sich selbst nicht für so wichtig hält.
Empathie und die Entwicklung der Einrichtung Wie unersetzlich ihre einfühlsame Art für die Kleinen ist, zeigt sich im täglichen Miteinander. Wenn ein Kind Trost sucht, zögert sie keine Sekunde, unterbricht jedes Gespräch und widmet sich ganz dem Vierjährigen mit einer herzlichen Umarmung. Diesen Teamgeist vermittelt sie seit dem Ende der achtziger Jahre auch ihrem Kollegium. Damals begann der Betrieb in den Räumen einer alten Schule, wo man noch Teppiche in der Heimatstube ausrollen musste. Aus dieser ursprünglichen Gruppe mit zwei Erzieherinnen und knapp dreißig Kindern hat sich bis heute eine moderne Einrichtung entwickelt. Nach mehreren Umbauten und Erweiterungen kümmern sich nun elf Fachkräfte und eine Hauswirtschaftskraft um drei Gruppen mit insgesamt dreiundvierzig Kindern, wobei auch eine spezielle Betreuung für Kinder unter drei Jahren integriert wurde. Das gemütliche Fachwerkhaus bietet durch ein offenes Konzept viel Raum für Musik, Kunst und Bewegung, was ihrer Vorstellung von einer idealen Kita sehr nahekommt. Für die Zukunft träumt sie scherzhaft von einem Lottogewinn, um den Kindern einen eigenen Wald mit großen Bäumen zum Spielen stiften zu können.
Der Wandel der Kindheit und der Blick auf die Familie Nach vier Jahrzehnten im Dienst verfügt Sabine Reußner über einen fundierten Erfahrungsschatz und vergleicht die Kindheit von damals mit der von heute. Ihre wichtigste Erkenntnis bleibt, dass Kinder zu jeder Zeit wunderbar sind. Allerdings hat sich das gesellschaftliche Umfeld stark verändert. Durch die Flut an Informationen im Internet sind viele Eltern heute wesentlich verunsicherter und der Druck sowie die Erwartungshaltungen sind spürbar gestiegen. Sie rät Müttern und Vätern oft dazu, sich weniger mit anderen zu vergleichen, sondern ganz individuell auf das eigene Kind zu schauen und ihm bedingungslose Rückendeckung zu geben. Neben ihrer organisatorischen Stärke und Lebensfreude zeigt sie sich besonders emotional, wenn das Gespräch auf ihre eigenen Töchter kommt. Als ehemals alleinerziehende Mutter erfüllt es sie mit großem Stolz, wie erfolgreich ihre Kinder ihren Weg gegangen sind, zumal eine ihrer Töchter ebenfalls den Beruf der Erzieherin ergriffen hat. Sie ist sich sicher, dass die Familien in Anreppen sie so schnell nicht vergessen werden, bevor sie sich wieder den Kindern auf dem Spielteppich widmet.
„Quelle Westfalenblatt, Text KI“
