Missbrauchsstudie im Erzbistum Paderborn zeigt Fälle im Delbrücker Land auf
Domvikar Hans Jürgen Rade erläutert in der Brigidenkapelle des Domes die Bedeutung der 25 Memory-Kacheln des Mahnmals für die Opfer der sexualisierten Gewalt. Foto: Hermann Knaup Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Region Die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Untersuchung über sexuelle Übergriffe im Erzbistum Paderborn hat in der Öffentlichkeit für großes Aufsehen gesorgt. Vor diesem Hintergrund versammelten sich…
Domvikar Hans Jürgen Rade erläutert in der Brigidenkapelle des Domes die Bedeutung der 25 Memory-Kacheln des Mahnmals für die Opfer der sexualisierten Gewalt. Foto: Hermann Knaup
Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Region Die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Untersuchung über sexuelle Übergriffe im Erzbistum Paderborn hat in der Öffentlichkeit für großes Aufsehen gesorgt. Vor diesem Hintergrund versammelten sich rund dreißig interessierte Bürger zu einer Informationsveranstaltung, um sich tiefgehend darüber zu informieren, in welchem Ausmaß auch das Delbrücker Land von diesen historischen Verbrechen betroffenen war. Die Zusammenkunft wurde gemeinsam von Johannes Wieners, dem Leiter des Delbrücker Geschichtsforums, und Domvikar Hans Jürgen Rade, welcher dem Archiv des Erzbistums Paderborn vorsteht, ins Leben gerufen. Gleich zu Beginn der Versammlung machten die Verantwortlichen unmissverständlich klar, dass die katholische Kirche heute einen vollkommen veränderten, sehr konsequenten und transparenten Weg im Umgang mit diesen Verfehlungen eingeschlagen hat. Nach den Worten von Domvikar Rade ist die Epoche, in der von Seiten der Verantwortlichen geschwiegen, vertuscht und Täter lediglich versetzt wurden, endgültig vorbei. Heutzutage besitzen die lückenlose Aufklärung durch die Wissenschaft sowie umfassende Hilfsangebote für die Betroffenen die höchste Priorität in der kirchlichen Arbeit. Zum Einstieg besichtigten die Teilnehmer die Brigidenkapelle im Paderborner Dom, die mit dem Mahnmal des Künstlers Christoph Brech einen zentralen Ort des Gedenkens für die Opfer bildet.
Zwei historische Priesterbiografien im Fokus der Untersuchung Im Zentrum der historischen Betrachtung standen zwei Geistliche, die eine direkte Verbindung zum Delbrücker Land aufweisen und in der wissenschaftlichen Studie von Nicole Priesching und Christine Hartig namentlich mitsamt ihren Taten aufgeführt sind. Einer dieser Männer ist Johannes Meiwes, der im Jahr 1881 in Westenholz zur Welt kam und im Jahr 1907 seine Priesterweihe empfing. Obwohl er seinen Lebensabend in seiner alten Heimat verbrachte, war er dort nicht als Seelsorger aktiv, sondern wirkte in verschiedenen anderen Gemeinden wie Stendal, Haaren, Gelsenkirchen, Medebach, Belecke und Nordborchen. Die offiziellen Dokumente belegen, dass bei dem Geistlichen bereits ab dem Jahr 1915 erhebliche Probleme mit Alkohol vorlagen, weshalb mehrfach Beschwerden beim Erzbistum eingingen. Im Jahr 1936 tauchten schließlich die ersten konkreten Hinweise auf sexuelle Übergriffe auf, die sich gegen Jungen richteten. Die damaligen Ermittlungen wurden von der Gestapo geführt, da das nationalsozialistische Regime die sogenannten Sittlichkeitsprozesse massiv nutzte, um der Kirche in der Öffentlichkeit gezielt Schaden zuzufügen. Dennoch stellte Domvikar Rade klar, dass die Vorwürfe gegen Meiwes auf realen Taten und nicht auf reiner Propaganda beruhten, obwohl ein Mediziner ihm aufgrund von Asthma und Diabetes ein eher mildes Gesundheitszeugnis ausstellte.
Verurteilung und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Das Landgericht in Arnsberg zog im Jahr 1937 die Konsequenzen aus den Ermittlungen und verurteilte Johannes Meiwes wegen vier nachgewiesenen Fällen von sexuellem Missbrauch zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren Zuchthaus. Der Geistliche hatte im Verlauf des Prozesses ein vollständiges Geständnis abgelegt. Weil die Behörden die Gefahr für weitere Taten als extrem hoch einschätzten, wurde er offiziell als Gewohnheitsverbrecher deklariert und im Jahr 1939 in die Provinzialheilanstalt Eickelborn eingewiesen. Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus und dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam Meiwes im Jahr 1945 wieder frei und zog zurück nach Westenholz, bevor er schließlich im Jahr 1953 in Warstein verstarb.
„Quelle Westfalenblatt, Text KI“
